Michael

Bild: Andreas Roloff

Er ist Audio Engineer (SAE) und Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Seit vielen Jahren ist er leidenschaftlich als Tontechniker tätig. Unter anderem war er lange als Monitoroperator auf Tour mit der international renommierten deutschen Hard-Rock-Band Scorpions.

Michi hat eine unglaublich positive Ausstrahlung, mit der er sofort jeden Menschen erreicht. Er ist ein Meister seines Fachs und gibt sein Wissen gerne weiter.
(Nina, PM Blue Veranstaltungstechnikerin)

Was wolltest du als Kind werden?

In ganz jungen Jahren – ich muss so zwischen 12 und 15 Jahren alt gewesen sein - war ich mal auf der Spur Tierarzt zu werden. Das erinnere ich noch. So mit 15 habe ich dann verstärkt angefangen Musik zu machen. Und da habe ich ganz schnell festgestellt, wo meine eigentliche Leidenschaft liegt. Mit 17, 18 hat sich dann rauskristallisiert, dass das irgendwas mit dem Bereich Audio zu tun haben muss. Das waren so beiden größten Faktoren.

Wie war dein beruflicher Werdegang?

Vorm Abi war ganz klar, dass es in die Richtung Audio geht. Da wollte ich zuerst Tonmeister studieren, schreckte dann aber zurück aufgrund der Aufnahmeprüfung. Dafür hätte ich tatsächlich nochmal ein Jahr intensiv Musik machen müssen, also sowohl Praxis als auch Gehörtraining. Und das habe ich dann verworfen. Dann habe ich erstmal vier Semester Elektrotechnik studiert an der TU in Braunschweig. Da hatte ich den Gedanken im Hauptstudium dann Ton- und Bildtechnik zu machen, um darüber in den Tonbereich zu kommen. Das habe ich vier Semestern lang gemacht und dann aber geschmissen. Das war einfach sehr theoretisch. Und die Semesterferien bestanden eigentlich nur aus acht Stunden am Tag Lernen. Und da hat mich dann die Motivation verlassen. Danach bin ich an die SAE gegangen. Und das war dann quasi meine Initialzündung um in der Branche durchzustarten. Darüber habe ich viele Kontakte geknüpft, die heute nach 25 Jahren noch immer bestehen. Da gibt man sich gegenseitig auch immer nochmal Tipps und Tricks. Das war also sehr nachhaltig und eine gute Entscheidung für mich damals. Da habe ich mit dem Diploma Audio Engineer meinen Abschluss gemacht.

Als dann 1998 die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik ins Leben gerufen wurde kam Hendrik [Rogel, damals Geschäftsführer Blue Noise, heute PM Blue] auf mich zu mit der Frage, ob ich nicht Lust hätte bei Blue Noise die Ausbildung zu machen. Nachdem ich dann zwei, drei Nächte drüber geschlafen hab, war für mich klar: ein in Deutschland anerkannter Ausbildungsabschluss kann bestimmt nicht schaden. Und dann habe ich also 1998 bis 2001 nochmal die Fachkraftausbildung nachgeschoben.

Von 2001 an war ich ziemlich genau zehn Jahre als Freiberufler unterwegs. Ende 2010 hatte ich für sieben Monate eine Vertretungsstelle beim NDR in Lokstedt übernommen. Mein krönender Abschluss der NDR-Zeit war, dass ich beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf am FOH stehen durfte. Und in der Zeit kam Hendrik auf mich zu und fragte, ob ich es mir nicht vorstellen könne, direkt vom NDR zu Blue Noise zu gehen und da Leiter der Audioabteilung zu werden. Und da habe tatsächlich gar nicht lange überlegt und habe dann also 2011 die erste Festanstellung angetreten. Eigentlich war es für mich noch nicht reif an der Zeit. Also auf Eigeninitiative hätte ich keine Festanstellung angestrebt. Aber im Nachhinein betrachtet war das eine goldrichtige Entscheidung.

Wie sieht heute ein Arbeitstag für dich gewöhnlich aus?

Es gibt keinen gewöhnlichen Arbeitstag. Da ich so viele verschiedene Sachen mache wie Produktionen und auch Projektleitung und Kundenbetreuung kann die Woche mit verschiedensten Formen von Arbeitstagen gefüllt sein. Von Produktionen, über im Lager etwas vorbereiten, bis hin zu einem Bürotag, den ich entweder im Homeoffice oder auch im Billbrookdeich mache. Da gibt es keinen Standardtag, was das Ganze ja auch total spannend und flexibel macht.

Worin unterscheidet sich dein jetziger Alltag am meisten vom Tourleben?

Dass ich viel mehr zu Hause bin und viel mehr Zeit für die Familie habe, gerade auch durch Homeoffice in Pandemiezeiten. Das ist ein Riesengewinn. Also die letzten drei Jahre vor der Pandemie, da war ich in Summe pro Jahr so zwischen sechs und acht Monaten unterwegs. Da war ich einfach so gut wie nicht zuhause. Anderseits hat mich das Touren in viele schöne Ecken der Welt gebracht. Aber es hat eben auch immer das Familienleben ein bisschen auf die Probe gestellt. Und durch die Pandemie ist das Verhältnis in eine völlig andere Richtung gerutscht: viel von zuhause arbeiten und somit viel Zeit für die Familie. So hat sich der Alltag komplett verschoben, muss ich sagen, zum Positiven. Also mir fehlt das Reisen sehr. Ich habe das sehr geliebt. Aber die Familie ist natürlich das Wichtigste, was man hat. Und die hat gerade viel gewonnen in den letzten anderthalb Jahren. Zum Glück. Das Leben auf Tour würde ich gerne wieder machen. Aber zugunsten meiner Familie habe ich gesagt, dass ich das leider nicht mehr über mehrere Monate machen kann. Deswegen habe ich mich daraus zurückgezogen. Ich werde sicher mal einen kleinen Run zwischendurch übernehmen, vielleicht mal vertretungsweise zwei, drei Wochen. Aber als fester durchführender Monitormann für eine Band bin ich raus. 

Was motiviert dich an deiner Arbeit am meisten?

Musik ist meine große Leidenschaft. Und wenn ich Kultur- und Musikjobs machen kann, alles was irgendwie mit Bands und Musik zu tun hat, dann erfüllt das voll meine Leidenschaft. Das war schon immer so. Ich habe als Kind ganz früh angefangen Musik zu hören, also auch Pop-Musik. Ich erinnere mich noch an die dritte Klasse, wo mein bester Freund mich damals mit Flash Gordon auf Queen gebracht hat. Und dadurch ist Queen eine meiner größten Bands aller Zeiten geworden. Ich habe auch früh angefangen selber Musik zu machen. Angefangen habe ich mit Blockflöte mit Fünf. Dann habe ich vier Jahre lang Klarinette gespielt. Mit Acht bis Zwölf habe ich Klavier gespielt. Und dann habe ich noch ein paar Jahre lang die Gitarre entdeckt. Musik hat mich immer begleitet. Mit 15 habe ich in meiner ersten Band gespielt und das bis Mitte 30, so lange der Job das irgendwie zuließ. Also alles was irgendwie mit Musik zu tun hat, ist das was mir den Job sehr schmackhaft macht.

Mit welchen drei Worten würdest du PM beschreiben?

Gemeinschaft. Das finde ich sehr bemerkenswert. Ich freue mich sehr darüber, was so an gemeinschaftlichen Aktivitäten gemacht wird, angefangen bei solchen Ausflügen wie jetzt das letzte Betriebsausflugswochenende mit Campern nach Sankt Peter-Ording, Segeltörns der letzten Jahre und so weiter. Auch dass man nach Feierabend einfach nochmal sitzen bleibt mit mehreren Leuten und ein Bierchen trinkt oder den Grill anschmeißt. Das finde ich sehr positiv. Gemeinschaft ist also eins der auffälligsten Kriterien.

Dann ist es Vielseitigkeit. Das betrifft das breite Spektrum, das wir anbieten: von dem normalen Verleihgeschäft über die Betreuung der Autostadt in Wolfsburg und der Gläserne Manufaktur in Dresden, daneben die verschiedenen Art von Veranstaltungsproduktionen, deren Breite sich durch die Fusion nochmal deutlich erweitert hat, also Industriejobs, Kultur, das Film- und Virtual Production Studio, das uns in der Pandemie sehr geholfen hat zu überleben. Wir sind sehr vielseitig. Gemeinschaft und Vielseitigkeit sind für mich die stärksten Merkmale. Daneben braucht es vielleicht gar kein drittes.

Was war dein schönstes Erlebnis in deiner Zeit bei PM?

Das waren mehrere Erlebnisse. Konzerte mit Bands während der Pandemie, die sehr emotional waren, und das sowohl bei Künstlern als auch beim Publikum, die völlig ausgehungert waren. Jazz Baltica war in diesem Jahr das erste Event nach einem sehr langen Winter. Da standen so viele Bands auf den Bühnen, die alle seit eineinhalb Jahren nicht mehr vor Publikum gespielt hatten. Und diese Emotionen zu spüren, ganz greifbar, wie sehr das allen gefehlt hat. Das hat mich umgehauen. Das war auch schon in den ersten wenigen Veranstaltungen im letzten Sommer nach einem halben Jahr im ersten Lockdown spürbar. Es wurde so deutlich wie wichtig Kultur und Musik für die Seele und für das Leben sind.

Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?

In meiner Freizeit unternehme ich sehr gern etwas mit meiner Familie. Ich bin gern an der frischen Luft. Ich versuche mich so konsequent wie es geht sportlich zu betätigen. Das ist dann vor allem Fahrrad- und Inliner fahren. Und dann ist Musikhören eine meiner größten Leidenschaften, mit der ich sehr gern viel Zeit verbringe. Das sind so meine Hauptaktivitäten während der Freizeit.

Was hast du in deinem letzten Urlaub gemacht?

In meinem letzten Urlaub habe ich mit der Familie die Seele baumeln lassen an der Ostsee. Bei schönstem Wetter und in einem Traumhaus direkt am Wasser haben wir es uns gut gehen lassen. Das war einfach eine schöne Zeit, die wir gemeinsam genossen haben mit einem fantastischen Ausblick aufs Meer.

Was wünscht du dir für deine Zukunft bei PM?

Dass zum einen meine professionellen Ansprüche in der Firma umgesetzt werden können. Und zum anderen, dass ich mich auch mit dem arrangieren kann, wenn es mal nicht so läuft wie ich es mir wünsche. Und das alles einfach in einem angenehmen Miteinander. Dass man tolle Produktionen abwickeln kann, die auch allen Spaß machen. Kurz: dass ich meiner Leidenschaft als Tonmann in der Firma nachgehen kann.

Hast du einen Tipp für ein erfülltes Berufsleben?

Der wichtigste Tipp ist, dass man eine Arbeit findet, die einem Spaß macht. Das ist natürlich im allgemeinen Berufsleben megaschwer zu finden. Aber ich glaube, es ist erstmal das Wichtigste, dass man gerne zur Arbeit geht. Da kann ich für die letzten 25 Jahre ruhigen Gewissens sagen, dass ich so gut wie nie Probleme damit hatte zu meinem Job zu gehen. Ich mach meinen Job gern, wenn ich tun kann, was ich gern tun möchte. Und das kann ich zum Glück die meiste Zeit tun. Ich weiß, dass das ein Privileg ist. Und das weiß ich sehr zu schätzen, weil es tatsächlich nicht für jeden einfach zu erreichen ist. Ich denke, der größte Tipp ist: man sollte sich Arbeit suchen, die einem Spaß macht.

 

[das Interview wurde geführt im September 2021]